< RARE MUSIC STARTSEITE

Anders Eliasson
Desert Point, Violinkonzert, Hornkonzert

Gefährte im Unglück – Ostbottnisches Kammerorchester, Juha Kangas

 

Wenn es in der Musik um die nackte Existenz geht, dann flüchtet mancher Hörer, der Angenehmeres erwartet hat. Die Musik des 1947 geborenen Schweden Anders Eliasson ist nicht angenehm, sondern restlos vereinnahmend und nicht mehr auslassend. Hier komponiert einer, um überleben zu können. Vom ersten Moment an wird der Hörer mit einer erbarmungslosen Welt der Ängste und Schrecken konfrontiert. Aber Eliassons Musik kommuniziert auf ihre Weise aufs Intensivste mit dem, der sich einläßt. Sie wird für den Unerschrockenen zum Gefährten im Unglück, und sie bewältigt ihren Terror auf ihre Weise, indem sie mittenhindurch geht. Dabei geht es Eliasson nicht um neue Klänge als Selbstzweck, und doch schafft er nie gehörte Klangwelten, die in ihrer suggestiven Kraft nicht erstarren, sondern in den energetischen Prozeß eingebunden sind. Da gibt es dann Passagen von ungeahntem Zauber, wie in der Mitte des abgründigen "Desert Point" von 1981. Das 1992 entstandene Hornkonzert "Farfalle e ferro" (Solist: Sören Hermansson) kontrastiert Amok-artige Ecksätze (wem gilt diese unstillbare Wut?) mit einem Lento von unendlich melancholischer Schönheit. Insgesamt lyrischer ist das Violinkonzert von 1993 (Solist: Jari Valo), was auch mit der Wahl des Soloinstruments zusammenhängt.

Das Ostbottnische Kammerorchester bestätigt seinen Ruf als ein weltweit führendes Streicherensemble mit vor Intensität fast berstender Unmittelbarkeit. Besser kann man das wohl nicht spielen (sieht man von dem etwas zu gestopften Hornton ab). Eliassons freimodale Sprache ist von hermetischer Eigenart, die Kategorien wie "modern" oder "beeinflußt von" schlicht aushebelt. Wer aber wissen will, welche Dichte und formale Kohärenz zeitgenössische Musik besitzen kann, der muß sich mit Eliasson auseinandersetzen.

Christoph Schlüren

(Rezension für Music Manual)

Caprice 21422 (Vertrieb: Disco-Center)