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Johann Sebastian Bach

Yo-Yo Ma, Suiten für Violoncello Solo Nr. 1-6,
Sony S2K 63203 (2CD/144'/1994, 1995, 1996, 1997)

Zwölf Jahre nach seiner ersten Einspielung bringt Yo-Yo Ma noch einmal die Bachschen Suiten heraus. Jede der sechs Suiten hat er in Zusammenarbeit mit einem Künstler einer anderen Disziplin erarbeitet, was auch in einem Filmprojekt Niederschlag fand. Für den Hörer der CDs ist das nicht nachvollziehbar, was kein Mangel ist. Denn Mas eigenwilliges Spiel ist durchweg spannend, feurig und distinguiert musikantisch. Die Tempi werden äußerst frei verstanden, mit sinnfälligem, fast immer von einem hintergründigen Balancegefühl getragenem (gelegentlich auch sehr abruptem) Rubato. Mag mal ein Menuett etwas vorangetrieben wirken oder die Gigue der fünften Suite recht breit, es trägt einen individuellen Satzcharakter und dient Mas Intentionen.

Da gelegentlich hinter aller Bewegtheit eine unerhörte innere Ruhe schwingt, die Bachs Geist am nächsten kommt, wünschte man, daß diese Qualität in allen Stücken durchscheint. Doch dafür sind die Detailwirkungen in der Regel noch zu expressiv hochgetrieben, was starke Momente erzeugt, jedoch das Kontinuum schwächt. Technisch ist Mas Leistung mehr als makellos. Er zeigt auch bei stürmischstem Figurenwerk keine Grenzen. Schneiden mußte man diese Aufnahmen, die eine Spontaneität wie ein Livemitschnitt ausstrahlen – man achte auf die stets verschiedenen Wiederholungen! –, wohl kaum.

Christoph Schlüren
(Rezension für Klassik Heute)