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Robert Schumann – Murray Perahia

1. Klaviersonate fis-moll op. 11, Kreisleriana op. 16

Schon Perahias frühere Schumann-Aufnahmen hatten in der hohen Sensibilität und Konzentration, in der pianistischen Sublimation und wachen Balance zwischen Idyll, Sehnen und Fantastik Ausnahmerang. Welche Qualitäten in letzter Zeit hinzutreten, ist schwer zu definieren. Perahias Spiel ist noch runder, großzügiger und geschlossener geworden, ohne die leidenschaftliche Brisanz, das Himmelstürmende zu verlieren. Sein Schumann ist wirkliche Zwei-Seelen-Musik! In der Aria der Sonate tönt imaginärer Belcanto der tieferen Register auf; kantableres Klavierspiel dürfte es kaum geben. Alles ist organisch gestaltet: die melodischen Bezüge und großen harmonischen Bögen, heikle Übergänge, das Rubato. Das Klangbild ist vorzüglich reich und natürlich. Perahia gestaltet frei, aber nicht willkürlich, sondern

bezwingend. Solch ungebrochenes Gelingen bremsen auf der anderen Schumann-Neuveröffentlichung (SK 62786), mit dem Konzert und den zwei Konzertstücken, die weniger sensiblen Berliner Philharmoniker unter Abbado.

Christoph Schlüren

Interpretation: höchste Bewertung

(Rezension für Klassik Heute)

Robert Schumann
1. Klaviersonate fis-moll op. 11,
Kreisleriana op. 16; Murray Perahia (Klavier);
Sony SK 62786 (58'/1996, 1997)