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Brahms Streichquartette

op. 51 Nr. 1 c-moll und Nr. 2 a-moll, Quatuor Ludwig

Vieles von dem sympathischen gestalterischen Ansatz des französischen Quartetts möchte man auch anderen Formationen bei der Auseinandersetzung mit Brahms empfehlen: die emphatische Haltung, die aus der Ruhe und nicht aus ziellos-nervöser Ausdruckssucht kommt; das runde, wohlresonierende Klangideal; die Suche nach struktureller Begründung auch des Rubato; der Versuch, die Details aus dem größeren Zusammenhang heraus zu verstehen. Einer vorbildlichen Realisierung stehen vor allem zwei Faktoren entgegen. Die häufige Unsicherheit beim Intonieren stört oft allzu sehr, keineswegs nur beim Primarius! Und der Bereich des Piano wird meist zu schnell und leichtfertig verlassen.

Letzteres ist ein weitverbreiteter Mangel, der aber die Konturen der Formentwicklung entschieden eintrübt. Die Verführung, Ausdruck mit anwachsender Lautstärke zu verwechseln, ist in dieser leidenschaftlich-pathetischen Musik groß. Die Tempi sind im Rahmen des Angemessenen, mit einer Ausnahme: Der Allegretto vivace-Kontrast im Menuett des zweiten Quartetts ist in eine Hetzjagd umgeschlagen.

Christoph Schlüren

(Rezension für Klassik Heute)

Naxos 8.554271 (67'/1996)