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Toru Takemitsu
'Ceremonial'

Eine Herbst-Ode, Family Tree, My Way of Life,
Requiem für Streicher, Air für Flöte Solo

Seira Ozawa (Sprecherin), Dwayne Croft (Bariton), Aurèle Nicolet (Flöte), Tokyo Opera Singers, Saito Kinen Orchester, Seiji Ozawa;
Philips 454478-2
(62'/1991, 1992, 1995, 1996)
Zu Recht verweist Anthony Burton in seinem ausgezeichneten Einführungstext bei "My Way of Life" für Bariton, Chor und Orchester auf die – über den bei Takemitsu obligatorischen Debussyismus hinaus – Nähe zu Frederick Delius. Viele mögen dieses Werk von 1990 für unangemessen schwülstig halten, auf Anhieb stellt sich ein nostalgischer Eindruck ein, jedoch: Es ist vor allem eine unverstellt schwärmerische Liebeserklärung, eine pantheistische Umarmung in "süßen Klängen" und eben kein Abgleiten in dürftigen Kitsch.

Das gilt auch für die "Musikalischen Verse für junge Leute" mit dem Titel "Family Tree" (1995), deren heitere Wehmut unaufdringlich verzaubern kann – das Lächeln des Todgeweihten? Die künstliche Zumischung der Sprechstimme bleibt dabei ein Problem. Vieles wird unter Ozawa mit sinnlicher Tongebung musiziert, aber eine ruhigere Grundhaltung würde diesen blumigen Klangmalereien zu noch bezirzenderer Blüte verhelfen – so auch im Requiem für Streicher von 1957, dem einzigen Frühwerk der Zusammenstellung. Das innigste Stück ist "Ceremonial" von 1992, gerahmt von den Verzückungen des solistischen Sho – fatalistische Freude am Rande des Verstummens. Auch die Air für Soloflöte (1995), "Windläufte" von vollendeter Ökonomie, wird ausdrucksstark dargebracht.
Christoph Schlüren
(Rezension für Klassik Heute)