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Wolfgang Rihm

Lieder: Das Rot, Gesänge op. 1 etc.

Fraglos ist Wolfgang Rihm ein hypersensibler Ausdeuter verschlüsselter Poesie ebenso wie offenkundiger Aussagen. Er unterliegt gerade darum der Gefahr, allzu direkt die Töne auf den jeweiligen Moment bezogen aus dem Text abzuleiten. Das kann höchst eindrucksvoll sein, aber auch zur Karikatur geraten, wie (aus den frühen Gesängen op. 1) in Heyms berühmtem "Robespierre". Diese frühen, kurzen Lieder holen sich ihre übersteigerte Ausdruckskraft direkt aus dem Expressionismus, dem auch viele ihrer Texte entstammen. Über vier Celan-Lieder (1973) und die "Neuen Alexanderlieder" auf Gedichte von Ernst Herbeck (1979) spannt sich der Bogen zu "Das Rot" (1990, 6 Gedichte von Karoline von Günderrode). Je abstrakter die Beschreibungen sind, desto ergreifender, musikalisch eigengesetzlicher gelingen die Vertonungen. Sei es – in "Das Rot" – das "Hochroth" der Liebe oder das "Spätroth" der Verlassenheit:

Die weltabgewandte Stimmung, die asketisch-explosive Dynamik der Innenschau ist bezwingend. Wer sonst setzt so bewegende Pausen wie Rihm? Wo fast nichts mehr geschieht, bewegt sich bei ihm am meisten, so in "Tiefblauer Himmel – zwei Segel" – die Seele durchtaucht enigmatisch verdichtetes Nichts. Die Aufführungen sind von hohem identifikatorischen Niveau.

Christoph Schlüren

(Rezensiom für Music Manual)

Ulrike Stöve (Sopran), Ursula Hesse (Mezzosopran), Christoph Prégardien (Tenor), Yaron Windmüller (Bariton), Axel Bauni, Siegfried Mauser,
Tatjana Blome (Klavier)
Orfeo C 434971 A
"Verdichtetes Nichts"